Rollero.ch ist mehr als eine Website – es ist ein soziales Netzwerk, das seit über einem Jahrzehnt Schweizer Rollstuhlfahrer:innen mit digitalen Chancen verbindet. Die Plattform, die sich auf die Förderung von Teilhabe und Selbstbestimmung spezialisiert hat, hat sich in den letzten Jahren als zentraler Akteur im Bereich der digitalen Inklusion etabliert. Sie bietet nicht nur eine Online-Community, sondern auch konkrete Werkzeuge, die Rollstuhlfahrer:innen dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten im digitalen Raum auszubauen. Besonders beeindruckend ist, wie Rollero.ch Brücken zwischen traditionellen Bildungsinstitutionen und modernen Technologien baut – ein Modell, das bundesweit wenig Konkurrenz findet.
Die Plattform setzt auf eine klare Strategie: Sie fördert die digitale Kompetenz von Menschen mit Behinderung durch gezielte Workshops, Mentoring-Programme und die Bereitstellung von barrierefreien Ressourcen. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Vermittlung von Grundkenntnissen in der Nutzung von Smartphones, Tablets und digitalen Tools – Themen, die oft als komplex und überwältigend empfunden werden. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen, Berufsbildungszentren und NGOs schafft Rollero.ch eine Infrastruktur, die es Rollstuhlfahrer:innen ermöglicht, ihre Potenziale in der digitalen Welt voll auszuschöpfen. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Projekt „Digitale Teilhabe“, bei dem die Plattform gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Rehabilitation (SGR) Schulungen für Jugendliche mit Behinderung anbietet. Seit dessen Start 2019 haben bereits über 1.200 Teilnehmende an den Kursen teilgenommen, davon rund 40 Prozent Rollstuhlfahrer:innen.
Doch Rollero.ch geht über reine Bildungsangebote hinaus. Die Plattform fungiert auch als Vermittler zwischen Unternehmen und Menschen mit digitalen Fähigkeiten. Immer mehr Firmen erkennen den Wert von diversen Arbeitskräften und suchen gezielt nach Talenten mit Behinderung, die über besondere digitale Skills verfügen. Rollero.ch unterstützt dabei Unternehmen dabei, passende Kandidat:innen zu finden und in die Praxis einzubinden. Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Firma „Swisscom“, die durch Rollero.ch gezielt nach Rollstuhlfahrer:innen mit IT-Kenntnissen suchte. Seit der Einführung des Programms „Digitale Teamplayer“ im Jahr 2021 konnten über 20 Stellenbesetzungen realisiert werden, darunter auch mehrere Positionen in der Entwicklung von barrierefreien Anwendungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Rollero.ch ist die Sensibilisierung der Gesellschaft für digitale Inklusion. Die Plattform organisiert regelmäßige Events, Diskussionen und Kampagnen, die darauf abzielen, Vorurteile abzubauen und die Bedeutung digitaler Teilhabe für Menschen mit Behinderung zu betonen. Ein besonders prägendes Beispiel ist die „Digi-Inklusions-Woche“, die jährlich im Herbst stattfindet. In diesem Rahmen finden Workshops, Vorträge und Filmvorstellungen statt, die sich mit Themen wie Barrierefreiheit in der digitalen Welt, der Nutzung von Assistivtechnologien und der Bedeutung von Diversität in der Technologiebranche beschäftigen. Die Events ziehen nicht nur Rollstuhlfahrer:innen an, sondern auch Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Medien. So wurde etwa bei der letzten Ausgabe 2022 eine Delegation aus dem Europäischen Parlament zu einem Workshop eingeladen, der die Rolle von digitaler Teilhabe in der EU-Förderung von Inklusion diskutierte.
- Seit 2012 hat Rollero.ch über 5.000 Rollstuhlfahrer:innen in digitale Kompetenzen eingeführt.
- Durch das Mentoring-Programm „Digitaler Mentor“ wurden seit 2018 bereits 800 Paare zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Nutzer:innen etabliert.
- Die Plattform unterstützt aktuell 120 Unternehmen bei der Integration von Menschen mit digitalen Fähigkeiten in ihre Teams.
- Im Rahmen des Projekts „Barrierefreie Apps“ wurden seit 2020 bereits 15 Apps für Menschen mit Behinderung entwickelt und veröffentlicht.
- Die „Digi-Inklusions-Woche“ zieht jährlich über 1.500 Teilnehmer:innen an, darunter 300 externe Gäst:innen aus Politik und Wirtschaft.
Doch was macht Rollero.ch besonders? Die Plattform setzt auf eine ganzheitliche Herangehensweise, die nicht nur auf technische Fähigkeiten abzielt, sondern auch soziale Kompetenzen und Selbstbewusstsein stärkt. Ein zentraler Ansatz ist das Konzept des „Digitalen Selbstvertrauens“, bei dem Rollstuhlfahrer:innen lernen, ihre Stärken im digitalen Raum zu erkennen und einzusetzen. Dazu gehören auch regelmäßige Reflexionsrunden, in denen Teilnehmende ihre Fortschritte analysieren und neue Ziele setzen können. Ein weiteres Merkmal ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, die Rollstuhlfahrer:innen in ihrer Region unterstützen. So gibt es etwa in Zürich das Projekt „Rollstuhl & Code“, bei dem junge Menschen mit Behinderung in einem 6-monatigen Programm lernen, Websites zu entwickeln. Seit 2021 haben bereits 15 Teilnehmende ihr erstes eigenes Projekt umgesetzt, darunter eine barrierefreie Website für eine lokale Seniorenheim.
Die Zukunft von Rollero.ch wird eng mit der Entwicklung der digitalen Gesellschaft verknüpft sein. Die Plattform sieht sich als Vorreiterin, die nicht nur bestehende Strukturen verändert, sondern auch neue Wege der digitalen Teilhabe eröffnet. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Integration von künstlicher Intelligenz und Assistivtechnologien, die Rollstuhlfahrer:innen noch mehr Unabhängigkeit und Autonomie ermöglichen. Zudem arbeitet Rollero.ch daran, die Plattform noch zugänglicher und barrierefreier zu gestalten. Aktuell wird an einer neuen Version der Website gearbeitet, die nicht nur technische Barrieren, sondern auch psychologische Hürden abbauen soll. Ein besonders innovatives Projekt ist dabei das „Digitale Buddy-System“, bei dem KI-gestützte Tools Rollstuhlfahrer:innen bei der Navigation in digitalen Umgebungen unterstützen – etwa bei der Ausfüllung von Formularen oder der Nutzung von Videokonferenz-Tools.
Die Plattform plattform bleibt damit ein wichtiger Akteur im Bereich der digitalen Inklusion. Sie zeigt, dass Teilhabe nicht nur ein politisches Ziel ist, sondern auch eine tägliche Praxis, die durch gezielte Maßnahmen und innovative Ansätze ermöglicht werden kann. Für Rollstuhlfahrer:innen, die bisher im digitalen Raum benachteiligt waren, ist Rollero.ch nicht nur ein Ort der Bildung, sondern auch ein Ort der Selbstbestimmung. In einer Welt, die zunehmend von digitalen Technologien geprägt wird, ist es von zentraler Bedeutung, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung – Zugang zu diesen Möglichkeiten haben. Rollero.ch setzt hier Maßstäbe und zeigt, dass Inklusion kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist, der Anpassung, Engagement und eine gemeinsame Verantwortung erfordert.
