In der Schweizer Gemeinde Caslano zeigt sich, wie moderne Wohnungsbausysteme mit dem Klimaziel der Energiewende Schritt für Schritt vereinbart werden können. Die Stadt, bekannt für ihre ambitionierten Umweltziele, setzt auf eine Kombination aus energetischer Sanierung, erneuerbaren Energien und innovativen Baukonzepten. Doch wie genau funktioniert das konkret – und welche Lehren können andere Städte daraus ziehen? Ein Blick auf die Praxis von Caslano offenbart, dass der Schlüssel nicht nur in neuen Bauprojekten liegt, sondern auch in der nachhaltigen Weiterentwicklung bestehender Immobilien.
Seit Jahren arbeitet Caslano mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Ein zentraler Baustein ist dabei die Förderung von Passivhäusern und Plusenergiegebäuden. Im Jahr 2022 wurden allein in der Gemeinde 15 neue Wohngebäude nach den strengen Energieeffizienzstandards der Schweiz gebaut. Dabei lag der durchschnittliche Primärenergiebedarf bei nur 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr – deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 200 kWh. Besonders beeindruckend ist, dass die meisten dieser Neubauten mit solarthermischen Kollektoren und Wärmepumpen ausgestattet sind, die bis zu 80 % des Heizbedarfs decken.
Doch die Stadt geht noch einen Schritt weiter: Sie fördert auch die energetische Sanierung bestehender Gebäude. Seit 2019 wurden in Caslano über 50 Altbauten nach den neuen Minergie-P-Standards modernisiert. Dabei wurden nicht nur die Fenster ersetzt, sondern auch die Dämmung der Fassaden und die Heizungsanlagen auf erneuerbare Energien umgestellt. Die Kosten für eine solche Sanierung liegen im Schnitt zwischen 150 und 250 Euro pro Quadratmeter – ein Investition, der sich langfristig durch niedrigere Energiekosten und höhere Immobilienwerte amortisiert.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „EcoVillage Caslano“, ein neues Wohnquartier, das vollständig autark betrieben wird. Hier werden Abwärme aus der Industrie genutzt, um Heizung und Warmwasser zu versorgen. Zudem werden alle Gebäude mit einer Batteriespeicherkapazität von 1,2 Megawattstunden ausgestattet, die Überschüsse aus dem Solarpark des Quartiers speichert und bei Bedarf zurück ins Netz einspeist. Das Projekt zeigt, wie lokale Wertschöpfung und Klimaschutz Hand in Hand gehen können.
Doch wie finanziert sich so ein Vorhaben? Caslano setzt auf eine Mischung aus öffentlichen Fördermitteln, kommunalen Investitionen und privater Mitwirkung. Die Stadt übernimmt einen Teil der Kosten für die Sanierung und bietet Steueranreize für Eigentümer, die nachhaltig umbauen. Zudem werden die Ersparnisse durch geringere Energiekosten direkt in die Gemeinde zurückgeführt, etwa durch die Finanzierung neuer Grünflächen oder die Unterstützung sozialer Projekte. link zeigt, wie eine Gemeinde mit klarem Handlungsfeld die Energiewende gestalten kann – ohne auf Komfort oder Wohnqualität zu verzichten.
Ein weiterer Aspekt ist die Integration von Grünflächen und natürlicher Kühlung in die Bebauung. In Caslano werden Gebäude nicht nur nach energetischen Kriterien geplant, sondern auch mit begrünten Dächern und Fassaden, die den Mikroklimaeffekt verbessern. Studien zeigen, dass solche Maßnahmen die Luftqualität verbessern und gleichzeitig den Energieverbrauch für Klimatisierung reduzieren. Besonders im Sommer können so Temperaturen um bis zu fünf Grad gesenkt werden, was den Komfort für Bewohner deutlich erhöht.
Der Erfolg von Caslano liegt auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern und Bauunternehmen. Die Stadt fördert gezielt Ausbildungen im Bereich nachhaltiger Bauweisen und bietet Zertifizierungen für Fachkräfte an, die auf erneuerbare Energien spezialisiert sind. Dadurch entsteht eine stabile Nachfrage nach qualifizierten Kräften, und die Gemeinde sichert sich langfristig eine innovative Baukultur. Zudem werden öffentliche Bauprojekte wie Schulen oder Kindergärten als Vorreiter genutzt, um die Standards voranzutreiben.
Für andere Städte und Gemeinden bietet Caslano damit ein Modell, wie Klimaschutz im Wohnungsbau gelingen kann – ohne auf Wohnraum oder soziale Infrastruktur zu verzichten. Die Erfahrungen zeigen, dass es nicht nur um neue Bauten geht, sondern um eine ganzheitliche Strategie, die Energieeffizienz, erneuerbare Energien und soziale Teilhabe verbindet. Die Frage ist nicht mehr, ob eine Stadt die Wärmewende schaffen kann, sondern wie schnell sie es tut.
- Seit 2022 wurden in Caslano 15 Neubauten nach Passivhaus- und Plusenergie-Standards errichtet.
- Die energetische Sanierung von Altbauten nach Minergie-P-Standard kostet im Schnitt zwischen 150 und 250 Euro pro Quadratmeter.
- Das EcoVillage Caslano speichert Überschüsse aus dem Solarpark in einer Batterie mit 1,2 Megawattstunden.
- Grüne Dächer und Fassaden senken im Sommer die Raumtemperatur um bis zu fünf Grad.
- Die Stadt fördert gezielt Ausbildungen im Bereich nachhaltiger Bauweisen für lokale Handwerker.